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Kinderlieder und Geschichten

Aus ein paar Liedchen für seine eigenen Kids wurden Lieder für Kinder und Erwachsene und es kamen Geschichten dazu. Auf Kindergeburtstagen, Nachbarschaftsfeten und anderen Kinderevents sind die immer der Renner, sowie auch die CD "Schenk´mir einen Tag". Auch wenn es sich um Lieder für Kinder und Erwachsene handelt, beweisen hier wieder mal die Kinder die besseren Nerven und finden die CD auch nach dem 150sten mal Hören immer noch klasse und wollen sie gleich noch einmal hören. Tja, so sind sie, die Erwachsenen, sie müssen halt noch viel lernen. Nichts desto trotz sind genau aus diesem Grund schon wieder neue Lieder in Arbeit und eine neue CD wird bestimmt bald folgen. 


Toni und Tobias

von Rainer Migenda

Es war einmal ein kleiner Junge, der lag jeden Abend in seinem Bett und konnte nicht einschlafen. Seine Mama brachte ihn immer ins Bett und deckte ihn schön warm zu und gab ihm jeden Abend einen Kuss auf die Stirn und sagte: „Schlaf gut, mein Süßer.“ Der Junge kuschelte sich dann in seine Decke und sagte ganz leise, sodass Mama ganz still sein musste, um es zu hören: „Gute Nacht.“ Und wenn Mama aus dem Zimmer ging und leise die Tür schließen wollte, sagte er immer ganz laut, so dass Mama es auf jeden Fall hören musste: „Aber nicht ganz zu! Einen kleinen Spalt auf lassen, bitte.“ Jeden Abend sah der kleine Junge, wenn er das sagte, zur Tür, um aufzupassen, dass Mama ihn auch wirklich gehört hatte und 


jedes Mal sah er durch den Spalt, wie Mama lächeln musste, jeden Abend, wenn er das sagte. Der kleine Junge musste dann auch jedes Mal lächeln. Oft fragte er sich dann, ob er seiner Mama sein kleines Geheimnis verraten sollte. Denn er wusste genau, dass Mama dachte, dass er Angst 


hätte im Dunkeln und deswegen wollte, dass die Tür einen Spalt auf bleiben sollte. Doch das war überhaupt nicht der Grund dafür. Der wahre Grund dafür war, dass er jeden Abend noch Besuch bekam. 

Er erinnerte sich noch an den ersten Abend, als Toni sich mühselig durch den Türspalt quetschte und laut fluchte: „Verdammt und zugenäht! Kann dieser blöde Spalt nicht ein bisschen größer sein!“ Der kleine Junge hatte sich mächtig erschrocken, denn er war schon fast eingeschlafen. Er sah zur Tür hinüber und sah den kleinen Toni mit seiner witzigen, roten Zipfelmütze und seinen viel zu dünnen Armen und Beinen. Das sah vielleicht komisch aus, wenn er seine Purzelbäume schlug und in Richtung Bett stolperte. Wenn der kleine Junge nicht so große Angst gehabt hätte, hätte er laut lachen müssen. Aber so fing er an zu schreien, was das Zeug hielt. Inzwischen war Toni auf das Bett geklettert und saß nun genau vor der Nase des kleinen Jungen auf der Decke, die für Toni so groß war, wie ein Berg. Toni hielt sich angestrengt die Ohren zu und rief so laut er konnte: „Bist du wahnsinnig? Hör auf zu schreien! Du weckst ja die ganze Stadt auf!“ Der kleine Junge hörte schlagmals auf zu schreien und sah Toni ins Gesicht. Jetzt musste er doch lachen, als er in Tonis lustige, kleine Augen sah und an der Spitze der langen Nase hing ein kleiner Tropfen. Der kleine Junge wühlte mit einer Hand unter seinem Kopfkissen und holte ein riesiges Taschentuch hervor; zumindest war es für Toni fürchterlich riesig: „Hier,“ sagte der kleine Junge leise, „putz dir mal die Nase!“ Im selben Moment wurde die Tür aufgerissen. Grelles Lichte durchflutete plötzlich den Raum und der kleine Junge musste die Augen zusammenkneifen, damit das blendende Licht in seinen Augen ihm nicht weh tun konnte. „Ist alles in Ordnung, mein Süßer?“ hörte er die Stimme von Mama. Der kleine Junge riss die Augen auf, schaute erst erschrocken in Mamas Gesicht und dann suchend auf die Decke vor seiner Nase. Es war keiner zu sehen. Der kleine Mann war verschwunden, nur sein Taschentuch lag da, an der Stelle, an der er gerade noch in zwei lustig funkelnde Augen gesehen hatte. Mamas Hand streichelte über seine Stirn: „Hast du schlecht geträumt, mein Kleiner? Es ist alles in Ordnung. Mama ist nebenan und Papa kommt auch gleich nach Hause. Du brauchst keine Angst zu haben. Versuch’ jetzt wieder einzuschlafen.“ Der kleine Junge machte die Augen zu und Mama ging aus dem Zimmer. Dieses Mal ließ sie den Türspalt etwas größer. 

Der kleine Junge blinzelte durch seine halb wieder geöffneten Augen und der kleine Zipfelmützenmann saß wieder da vor seiner Nase und wischte mit einer Hand über seine Stirn: „Puh, das war knapp! Da kannst du mal sehen, was du mit deinem Geschrei angerichtet hast. Im letzten Moment konnte ich noch unter die Decke kriechen, sonst hätte sie mich gesehen und das wäre mir gar nicht gut bekommen. Ich bin übrigens der Toni und wer bist du?“ „Ich bin der Tobias,“ sagte der kleine Junge und setzt sich in seinem Bett auf. Dadurch kam viel Bewegung in die Bettdecke und Toni purzelte hinunter bis zu Tobias Füßen, die am Ende der Decke heraus guckten und Toni hielt sich an einem der großen Zehen fest. Das kitzelte so sehr, dass Tobias laut lachen musste und seinen Fuß ruckartig nach oben bewegte, sodass Toni in hohem Bogen in die Luft flog. Er landete sanft, genau auf dem Taschentuch, das auf Tobias Bauch gerutscht war, als er sich zum Sitzen aufgerichtet hatte. Toni stand auf und baute sich in voller Größe auf , die Hände in die Hüften gestemmt, schaute er angriffslustig zu Tobias hoch. „Hey, du Winzling! Würdest du gefälligst ein bisschen aufpassen und nicht so ein wildes Durcheinander hier veranstalten!“ Wieder musste Tobias lachen. Durch die piepsige Stimme, hörte sich das, was Toni sagte, überhaupt nicht nach Schimpfen an. „Wer ist denn hier der Winzling? Und dazu noch ein fürchterlich lustiger Winzling.“ „Na, dann pass mal auf, dass dir das Lachen nicht vergeht, wenn ich jetzt meine Freunde rein hole.“ Ein lauter Pfiff durchschnitt die Stille im Zimmer und Tobias sah Toni erschrocken an: „Bist du verrückt, so einen Lärm zu machen. Gleich steht Mama wieder hier und entdeckt dich wohlmöglich noch!“ „Keine Sorge,“ Toni lächelte zufrieden und tänzelnden Schrittes schwebte er förmlich über die Decke in Richtung Tobias Füßen, die dieser schnell unter der Decke verschwinden ließ, damit ihn Toni nicht wieder kitzeln konnte. „Keine Sorge, solange du die Klappe hältst, kann nichts passieren. Uns kann keine Erwachsener hören.“ „Ich weiß ja nicht, wie man das bei dir nennt, du kleiner, frecher Zwerg. Ich habe jedenfalls einen Mund und keine Klappe!“ Toni machte einen tiefen Diener: „Entschuldigen Sie bitte, Herr Tobias. Entschuldigen Sie, bitte, meine freche Ausdrucksweise.“ Tobias musste lachen. Noch nie hatte jemand Herr Tobias zu ihm gesagt und eine so förmliche Entschuldigung hatte er von so einem frechen Zwerg nicht erwartet. 

„Schau an, schau an, da kommen sie.“ Toni strahlte übers ganze Gesicht und blickte zur Tür. Tobias folgte seinem Blick und sah nun eine Gruppe von fünf seltsamen Wesen durch den Türspalt in sein Zimmer spazieren. Jeder von ihnen hatte ein Musikinstrument in der Hand, eine Gitarre, eine Trommel, ein Schellenkranz, eine Trompete und, was war das? Das sah aus, wie ein großer Kochtopf und das zottelige Kerlchen, das ihn trug, schlug unablässig mit einem Kochlöffel darauf ein. Der Typ mit der Gitarre schien schon sehr alt zu sein. Zumindest hatte er einen langen, weißen Bart, dafür hatte er kaum noch Haare auf seinem Kopf. Der Trommelspieler sah genauso aus, wie der mit dem Schellenkranz. Die beiden mussten wohl Zwillinge sein. Sie hatten grüne Froschköpfe, doch der Rest ihrer Körper sah aus, wie Jungs in Tobias Alter. Die Trompete wurde von einem hübschen, kleinen Mädchen gespielt, die Flügel hatte, wie eine Libelle. Während die anderen sich tanzend auf ihren Füßen aufs Bett zu bewegten, schwebte das Mädchen ein paar Zentimeter über dem Boden hinter ihnen her. Freudestrahlend sprang Toni vom Bett und lief ihnen entgegen. Als er die Gruppe erreicht hatte, ließ er die ohrenbetäubende Musik mit einer Handbewegung verstummen. „Wie schön, dass ihr gekommen seid. Darf ich euch Tobias vorstellen?“ Toni machte eine verbeugende Geste und deutete in Tobias Richtung. Der saß mit offenem Mund in seinem Bett, schaute auf die Gruppe und konnte gar nicht glauben, was er da sah. Vor allem konnte er überhaupt nicht verstehen, dass Mama nicht auftauchte, bei diesem Lärm, der hier in seinem Zimmer veranstaltet wurde. 

„Hey Tobias, Du darfst dir ein Lied wünschen, das wir für dich spielen. Sag schon, was möchtest du hören !“ Toni fuchtelte aufgeregt mit seinen dünnen Armen in der Luft rum. Tobias überlegte einen Moment und weil Toni so drängelte, sagte er „Hänschen klein“. Toni sah Tobias lange an, ohne etwas zu sagen. Dann schaute er die Musikanten an und die zuckten mit den Achseln. „Hänschen klein?“ Toni sah wieder Tobias an. „Ist das ein Lied? Bist du sicher? Wir kennen eigentlich fast alle Lieder, aber ’Hänschen klein’ haben wir noch nie gehört.“ Verwundert musterte Tobias die Musikanten-Gruppe: „Was seid ihr denn für Musiker? Ihr kennt nicht einmal so ein einfaches Lied?“ „Ok, ok, keine Panik, Leute!“ Toni hatte eine ernste Mine aufgesetzt und so wie er mit dem Zottel von Topfschläger redete, schien es ein sehr wichtiges Gespräch zu sein. Nach einer kurzen Weile richtete Toni das Wort wieder an Tobias: „Also gut, wir haben beschlossen, da du dir nun mal dieses Lied gewünscht hast, werden wir es natürlich auch spielen. Da wir es aber nicht kennen, musst du es uns einmal vorsingen, damit wir es kennen lernen. Und dann werden wir es alle zusammen singen und dazu spielen. Bist du einverstanden?“ Tobias überlegte noch einmal kurz, um sich an alle Stellen im Lied zu erinnern. Dann nickte er mit dem Kopf: „Einverstanden.“

Tobias fing an zu singen und alle hörten aufmerksam zu. Als er am Ende war, war es für einen kleinen Augenblick Mucksmäuschen still im Zimmer. Plötzlich ertönte tosender Beifall und ein Geschrei aus ’Bravo-’ und ’Zugabe-Rufen’. Der Sänger senkte etwas verlegen den Kopf und er merkte, dass sein Gesicht wohl ein wenig rot geworden war. Als der Beifallssturm allmählich abflachte, nahm Tobias allen Mut zusammen und rief: „So, nun seid ihr dran!“ „Ja gut, wir werden es versuchen. Am Besten singst du ganz laut mit,“ quakten die beiden Froschköpfe wie aus einem Munde. Die Instrumente wurden angestimmt aber Tobias dachte sofort: „Das ist doch viel zu schnell und klingt ja ganz schräg und fürchterlich.“ „Na, wie waren wir?“ wollte das kleine Mädchen mit der Trompete wissen. „Na ja,“ Tobias zögerte eine Sekunde mit seiner Antwort, „ziemlich fürchterlich,“ gab er dann aber doch offen zu. „Ich schlage vor,“ mischte sich nun Toni wieder ein, „du singst es uns noch einmal vor.“ „Gut,“ Tobias war jetzt mutiger geworden, da er gemerkt hatte, dass er das Lied viel besser singen konnte als die Musikanten und deswegen machte er es jetzt noch besser, als beim ersten Mal. Wieder wurde er mit tosendem Beifall belohnt. „Nun gut,“ meinte jetzt der weißbärtige Alte, mit der Gitarre, „versuchen wir es jetzt mal alle zusammen und ich bitte um volle Konzentration,“ er hob den Zeigefinger, als er das sagte, damit alle merkten, wie ernst es ihm damit war. Er zählte laut bis vier und alle setzten gleichzeitig ein: „Hänschen klein, ging allein, in die weite Welt ....“ 

Ihre Musik hatte ihnen so gut gefallen, dass sie das Lied gleich noch einmal spielten und sangen. Beim letzten Mal klatschten alle im Takt dazu in die Hände. Das war wirklich ein fröhlicher Gesang. Toni war zwischenzeitlich wieder aufs Bett geklettert und fuchtelte mal wieder mit seinen Armen herum und bildete sich ein, er wäre ein großer Dirigent. Doch dann, als sie wieder mal fertig waren mit dem Lied, erhob er die Stimme, als wollte er eine Rede halten: „Leute, hört mal her. Ich habe jetzt was Wichtiges zu sagen.“ Alle schauten in Tonis Richtung. Was war nur los? Was gab es plötzlich so Wichtiges? „Meine Freunde, wir haben uns noch gar keine Gedanken darüber gemacht, wie wir heute wieder nach Hause kommen.“ Er wandte sich Tobias zu: „Du musst nämlich wissen, wir kommen aus dem Zauberwald ’Stieselmoos’ und dort kommt man nur hin, wenn man fliegen kann. Libellchen ist aber die einzige von uns, die selbst fliegen kann. Wir anderen müssen eine Flughilfe finden. Unser Hinflug, hierher zu dir, war sehr angenehm. Die kleine Fee Joelinde hatte Seifenblasen gemacht und jeder von uns ist in eine von ihnen hineingehüpft und der warme Sommerwind hat uns direkt bis in euren Garten getragen. Aber jetzt brauchen wir dringend eine Fluggelegenheit für die Heimreise.“ Toni schaute Tobias fragend an. „Was siehst du mich so an? Woher soll ich wissen, wie ihr zurückfliegen könnt?“ 

Tobias hatte sich wieder in seine Decke eingekuschelt und beobachtete die Musikanten-Gruppe, die sich zusammen mit Toni auf den Boden gesetzt hatte und sie überlegten, welche Möglichkeiten es für die Heimreise gab. Sie sprachen sehr leise, so dass Tobias nicht alles verstehen konnte aber er merkte, dass sich eine gewisse Sorge breitgemacht hatte. Er hätte ja gerne geholfen, doch er hatte überhaupt keine Idee. Plötzlich sprang Toni auf und sagte entschlossen: „Ja, das ist die einzige Möglichkeit. Ich werde mit ihm reden.“ Tobias war sehr neugierig, welche Möglichkeit in Frage kommen würde und sah Toni gespannt zu, wie er zu ihm ins Bett kletterte und sich nun wieder auf der Bettdecke niedergelassen hatte. „Nun,“ begann Toni in gewichtigem Ton, „wir haben beschlossen, dass du nun ganz schnell einschlafen musst und von einem Flugzeug, einem Hubschrauber oder irgend etwas Ähnlichem träumen musst. Es können natürlich auch Seifenblasen sein oder Federn, die vom Wind davongetragen werden. Ich rechne fest mit deiner Hilfe, mein Freund.“ Tobias schaute Toni verwundert an: „Wie stellst du dir das vor? Ich kann doch nicht auf Kommando irgend etwas Bestimmtes träumen. Ich träume oft aber ich weiß doch vorher nicht, wovon ich träumen werde und vorher bestimmen, wovon ich träumen will, kann ich schon gar nicht.“ Nun schaute Toni ganz verdutzt: „Heißt das, du willst uns nicht helfen?“ „Natürlich würde ich euch gerne helfen, aber es klappt so nicht.“ „Ich weiß zwar nicht, warum du nicht einfach das träumen kannst, was du willst aber wenn du meinst, dass das so ist, dann kennst du vielleicht eine Geschichte oder ein Märchen, in dem irgend etwas zum Fliegen vorkommt. Das würde auch helfen, wenn du eine solche Geschichte erzählen könntest.“ Tobias dachte angestrengt nach. Er gab sich wirklich ganz große Mühe aber es wollte ihm einfach nichts einfallen. „Das gibt’s doch gar nicht,“ Toni wurde langsam ungeduldig, „es wird dir doch wohl irgend eine Geschichte einfallen.“ „Jetzt drängele doch nicht so. Wie soll ich dabei überlegen können? Halt, ich habe eine Idee!“ Toni sprang auf und wurde ganz zappelig vor Aufregung: „Wunderbar, fang an, wir machen uns bereit.“ „Langsam, nicht so schnell, du machst mich ganz nervös mit deiner Zappelei.“ „Ha, ha, das sagst du zu mir? Das sagt sonst bestimmt immer deine Mama zu dir,“ Toni schlug vor Vergnügen mit den Händen auf die Knie. „Nun gut, jetzt lass hören!“ Ich kann die Geschichte nicht erzählen,“ sagte Tobias und Toni blieb das Lachen im Halse stecken. „Aber Papa kann sie erzählen. Die Geschichte vom roten Luftballon, der immer zu anderen Orten fliegt, um sich alles mögliche auf der Welt anzusehen. Papa erzählt mir oft ein Abenteuer vom roten Luftballon, wenn er mich ins Bett bringt.“ „Hmm, lass mich mal nachdenken,“ Toni kratzte sich am Kopf, „ein roter Luftballon, sagst du. Das würde gehen. Wir bräuchten nur einen Korb oder so etwas, in den wir hineinpassen, damit wir ihn am Ballon befestigen können. Dann könnte das klappen mit dem Ballon, vorausgesetzt, du kannst deinen Papa hier her schaffen, damit er die Geschichte erzählt.“ In der Zwischenzeit waren auch die Musikanten auf das Bett geklettert und hörten gespannt zu. „Wie wäre es mit dem großen Tuch dort,“ einer der Froschköpfe deutete auf das Taschentuch, das mittlerweile am Fußende des Bettes lag. „Perfekt,“ Toni nickte anerkennend mit dem Kopf, „das ist wirklich ein genialer Einfall. Tobias, du kannst deinen Papa jetzt holen.“ „Maa-maaa,“ Tobias brüllte unvermittelt los und Toni und die Musikanten zuckten vor Schreck zusammen. „Halt, halt, Stopp, was machst du?“ Toni fuchtelte wild mit den Armen, „du sagtest doch, dein Papa kennt die Geschichte, oder?“ „Halt dich da raus Toni und lass mich mal machen. Von diesen Dingen scheinst du wirklich keine Ahnung zu haben.“ 

„Was ist denn bloß los, mein Schatz? Kannst du denn heute gar nicht einschlafen?“ Besorgt streichelte Mama über Tobias Kopf. „Ich glaube, ich hatte einen bösen Traum, Mama. Ist Papa schon zu Hause?“ „Ja, er ist vor ein paar Minuten gekommen. Soll er dir noch ‚Gute Nacht’ sagen kommen?“ „Ja, bitte bitte, Mami.“ „Ich sage ihm Bescheid. Aber dann musst du versuchen zu schlafen, hörst du.“ 

„Hey Großer, was ist los? Du bist ja noch wach.“ Papa küsste die Stirn von Tobias und setzte sich neben seinem Bett auf den Boden. „Meinst du, eine kurze Gutenachtgeschichte könnte dir beim Einschlafen helfen?“ „Ja Papa, ganz bestimmt. Bitte ein kleines Abenteuer vom roten Luftballon.“ Papa lächelte: „Das finde ich aber sehr schön, dass dir meine Geschichten vom roten Luftballon gefallen.“ „Das sind die besten Geschichten, die es gibt, Papa.“ „Na, na, nun übertreib’ mal nicht. Nun gut: Es war einmal ein kleiner roter Luftballon.“ „Papaaaa?!“ unterbrach Tobias. „Was ist los?“ „Papa, könnte der Luftballon nicht ein kleines bisschen größer sein. Nur ein kleines bisschen?“ Papa schaute Tobias verwundert an: „Ok, daran soll’s nicht scheitern: Es war einmal ein großer roter Luftballon, dem war es zu Hause viel zu langweilig geworden und er beschloss, sich die Welt anzusehen.“ Tobias war nun wirklich müde geworden und die Augen fielen ihm zu. Er hörte nicht mehr viel von Papas Geschichte. Aber Papa hörte plötzlich jemanden leise rufen: „Tschüs, bis bald und vielen Dank!“ Papa guckte etwas erstaunt, gab seinem Sohn noch einen Kuss und flüsterte: „Du träumst ja schon. Schlaf schön, Kleiner.“ Und dann ging er aus dem Zimmer und zog die Tür leise zu. 

Ja, so war das, beim ersten Besuch von Toni und seinen Freunden. Und sie besuchten Tobias noch sehr oft. Und deswegen achtete Tobias jeden Abend darauf, dass die Tür seines Zimmers einen kleinen Spalt offen blieb.